Feste Anklam, zum Jahreswechsel 1198 a. d.

A
n seyne Durchlaucht
Roderic von Warwick,
Herzog von Fuerstenwalde



entsendet Herzog Helmbrecht von den Woelfischen Marken seyne besten Gruesse.



Meyn Lieber Roderic,

nun ist es schon wieder mehr als vier Monde her, dass ich mit meynen Getreuen auf Eurer Burg anlaesslich Eurer Vermaehlung war. Die unschoenen Ereygnisse warfen natuerlich eynen Schatten auf das Geschehen, aber es ist ja alles zum Besten gekommen, auch was das Verhaeltnis unserer beyder Herzogtuemer angeht. - Dachte ich jedenfalls.

Leyder kommen mir immer wieder Geruechte zu Ohren, dass ich meynem Wort nicht nachgekommen sey und so etwas mag ich ueberhaupt nicht. Bevor ich also die Leute, die mich als Luegner bezeychnen, auspeytschen lasse, muss ich von Euch folgendes wissen: Ist es wahr, dass Ihr Eure Kaemmerin wegen der Giftanschlaege ueberfuehrt und hingerichtet habt? Hat eyn ordentliches Gericht stattgefunden, ohne Erpressung und Folter und hat es eynen Schuldspruch gefaellt?

Ich habe Eurer Kaemmerin meyn Wort gegeben, dass ihr nichts passiert, wenn nicht eyn ordentliches Gericht ihre Schuld festlegt. So weyt ich mich erinnere, war zu diesem Zeytpunkt ausser mir, der Kaemmerin und Sir Martin of Mont Riggi nur noch Herzog Raban im Raum. Ich vertraute, bey dem Wort, das ich gab, auf eyne Rechtsprechung, wie sie in Allerland allgemeyn ueblich ist. Wenn mir also derartige Geruechte zugetragen werden, wer kann dann der Urheber derselben seyn?

Ich erwarte Euren Bericht betreffend dieser Angelegenheyt und, bevor ich's vergesse, wir sollten noch eyne Urkunde ueber die Verwaltung der Stammfeste der Wolfen ausfertigen.

Wie ich hoerte, laedt Roland zu eyner Hofhaltung Ende des Monats. Wir koennen unsere Angelegenheyten dort bereden.

Moege es Euch bis dahin wohlergehen

Scribit
Helmbrecht von den Woelfischen Marken,
Herzog von Wolfengrund.